Tatsachen

N. 1 (2010, rev. 2011-12)
Tatsachen in zwei Sätzen

Für Violine solo
For violin alone

[English version below]
Tatsachen in zwei Sätzen ist das erste Stück, das eine Werknummer trägt. Der Grund dafür ist, dass die Arbeiten ab diesem Punkt eine Qualität erreicht hatten, die meinen Ansprüchen gerecht wurde. Alle vorherigen Partituren habe ich der Vernichtung anheim getragen. Das nimmt aber teilweise die vorher erzeugte elektroakustische Musik sowie die Klanginstallationen aus. Ausgangsidee der Arbeit war ein polyphones Solostück zu schaffen. Um dieses zu erzeugen, spielt der Violinst auf bzw. hinter dem Steg. Gleichzeitig führt er mit der Griffhand gleitende Bewegungen auf allen vier Saiten aus, schlägt und drückt Saiten nieder, schlägt auf die Saiten und dämpft sie gleich im Anschluss ab oder zupft Saiten. Zudem werden mit beiden Händen Schläge auf den Korpus der Violine ausgeführt. Bevor der zweite Satz beginnt, gibt es eine Art Intermezzo. Übernommen von der ersten Sektion wird das Zupfen bzw. Schlagen mit der linken Hand. Zudem dämpft die Griffhand die Saiten. Die Bogenhand tupft die Saiten auf Griffbrettpositionen, entweder mit dem Holz oder der Spannschraube des Bogens. Der erste Satz, inkl. Intermezzo, ist sehr ruhig und fein. Dem steht der zweite Satz gegenüber, der laut und brachial agiert. Flageolettglissandi, stärkst möglicher Bogendruck, Greifen zwischen Griffbrett und Steg bzw. hinter dem Steg sind einige der Techniken, die mit Kraft artikuliert werden und zum quietschenden, pfeifenden klanglichen Charakter beitragen. Das Stück endet mit einer niedrigen Dichte und einer diversen Verteilung der Artikulationen, aufgegriffen aus allen vorherigen Sektionen. Revidiert wurde das Stück nachdem die Entwicklung eines Notationssystems für unkonventionelle erweiterte Spieltechniken abgeschlossen war. Die Revision war ausführlich, bezieht sich aber vor allem auf die Notationsmethoden und nicht den Inhalt des Stückes.

Tatsachen in zwei Sätzen is the first piece equipped with an opus number. The reason for this is that, from this point on, the works reached a quality that met my demands. All prior scores have fallen prey to voracious destruction. Exempt from this are some of the electroacoustic music as well as some of the sound installations I have created prior to Tatsachen in zwei Sätzen. The initial idea was to develop a polyphonic piece. In order to do so, the violinst plays on or, respectively, behind the bridge. At the same time, he slides on all four strings with the left hand, hits and depresses strings, hits and instantly mutes strings or plucks strings. Additionally, the violinst makes use of both hands in order to hit the body of the violin. Before the second movement starts, a kind of intermezzo takes place. As in the first section, the player plucks and hits the strings with the left hand. Additionally, the same hand is used to mute the strings, while the right hand dabs the strings on fingerboard positions, either with the wood or screw of the bow. The first movement, including the intermezzo, is quiet and subtle. It is opposed by the second movement, which is loud and violent. Harmonic glissandi, highest possible bow pressure, fingering between fingerboard and bridge/behind the bridge are some of the techniques that are articulated strongly. They contribute to the squeaking and whistling sound-wise character. The piece ends with a low density and diverse distribution of the articulations. They refer to all prior sections. The piece was revised once the development of a notation system for unconventional extended playing techniques had been finished. The revision was extensive, but was mainly concerned with the methods of notation, not the content of the piece.

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Tatsachen 01

Tatsachen 02

Tatsachen 03